natur-reich.de 
alternative Ansichten - Vermögensaufbau - Naturgesetze


Archiv


Ausgabe 10
 

vom 16.06.2007


Der natur-reich-Brief


"In der Natur gibt es keine Armut. Armut hat der Mensch erfunden."



Inhalt:

**************************************************
1. Eine eigene Meinung?
2. Zitat des Tages
**************************************************



1. Eine eigene Meinung?
**************************************************


Liebe Leser,

wir leben in einer Welt des freien Denkens. Jeder hat seine eigenen Gedanken und seine eigene Meinung. Denken Sie doch auch, oder?
Komischer Weise denken nahezu alle Menschen, dass sie eine eigene Meinung haben, und haben - indem sie so denken - alle die gleiche Meinung.

Ich war sehr depressiv in den letzten Tagen. Ich weiß nicht genau warum, es gab keine negativen Ereignisse in meinem Leben. Trotzdem hätte ich alles an die Wand werfen können. Irgendwie schien mir das ganze Leben (mal wieder) sinnlos. Es gab nichts Neues mehr, und wenn, dann hätte mich das auch nicht interessiert und es hätte meine Stimmung nicht verändern können. Mir war, als hätte ich alle Gefühle und alle Erfahrungen bereits durchlaufen, kurz: Ich wollte von der Welt nichts mehr hören und nichts mehr wissen. Es gab einfach nichts mehr, was mich hätte aufmuntern können. Jeden Tag auf Arbeit zu gehen, zu rackern, zu schuften für lau, die Probleme des Alltags, essen zu müssen, leben zu müssen - es erschien mir so blöd und doch so egal.

An einem dieser depressiven Tage, als ich vom Heu einfahren über unsere abgemähte Wiese lief, sah ich einen Schmetterling, wie er kreuz und quer voller Lebensfreude über das hohe Gras beim Nachbar flatterte. Ich begann mich zu fragen, wie man nur so unbeschwert herumflattern kann, warum für den Schmetterling die Welt so in Ordnung schien, während ich so deprimiert war.

Mir kam in den Sinn, dass er von all den Problemen der Menschen nichts wusste. Er wusste weder etwas vom schrecklichen Zustand der Welt, noch kannte er Geldsorgen, noch gab es irgendwen oder irgendwas um das er sich kümmern musste. Und so flatterte er einfach unbekümmert herum.
Wir Menschen leben in unserer ganz eigenen Welt aus Problemen, aus Gedanken, und sind völlig in diese versunken. Die Natur hingegen weiß überhaupt nichts von der Gedanken-Welt der Menschen.

Und während mir dies in meiner Alles-an-die-Wand-hau-Depression so durch den Kopf ging, merkte ich, dass die Welt, bzw. die Natur, durch die ich schritt, doch eigentlich völlig in Ordnung ist. Ich lief die Wiese entlang, die Abend-Sonne schien mir wohlig-warm ins Gesicht, und ich hatte überhaupt keine Bedürfnisse. Ich kam mir einen Augenblick fast vor, wie der Schmetterling. Ich hatte einfach keine Bedürfnisse und die Menschenwelt erschien mir diesen kurzen Moment weit weg von mir: Ein jeder Mensch hatte seine Nöte, seine eigenen Gedanken, hatte Geldsorgen, oder Beziehungsprobleme, irgendwelche Wünsche, Stress mit der Steuererklärung oder der Arbeit, Sorgen mit dem Auto, mit dem Nachbarn, den Behörden. Ein jeder lebte in der Welt der Menschen: In Gedanken, Sorgen und Wünschen.
So sah ich das. Und da war ein Schmetterling, den kümmerte das alles kein Bißchen, der flatterte einfach fröhlich zickzack herum.

Waren es also meine Gedanken, die mich unglücklich machten?
Schon dachte ich wieder an meine Geldsorgen, an die Arbeit, daran, dass ein paar "Arschlöcher" alle andern Menschen für sich schuften lassen, an die Ungerechtigkeit des Systems, daran, dass am Besten alles zusammenbrechen müsste, wie man sich wehren könnte, wie ich ohne Arbeit leben könnte, usw. usw.
Schon war ich wieder in meiner Depression, der Welt der Menschen, der Welt des Denkens und der Gedanken.

Was ich mich nun frage ist, habe ich eine eigene Meinung? Alle diese Gedanken, diese Sorgen um das eigene Schicksal, das Schicksal der Menschheit, den miesen Zustand der Welt - all diese Gedanken, sind das wirklich meine eigenen? Der Schmetterling wusste nichts von der menschlichen Gedankenwelt, er flatterte unbekümmert herum. Was wäre, wenn ich auch nichts von der Gedankenwelt der Menschen wüsste? Wäre ich dann auch völlig unbeschwert und voller Freude? Woher kommen eigentlich all diese Gedanken und Sorgen von uns Menschen? Woher kommt das? Der Schmetterling weiß nichts von alledem.

Sind vielleicht all diese Sorgen und Gedanken, nicht unsere eigenen? Wenn sie es wären, müsste der Schmetterling doch auch Sorgen haben und könnte nicht so unbekümmert herumfliegen? Er sah aber sehr unbesorgt aus.
Woher kommt also der ganze Gedankenwirrwar in meinem Kopf, die ganzen Sorgen?


Ich glaube, ich habe sie mir angelesen, habe sie gehört, im Fernsehen gesehen, oder habe sie von meinen Mitmenschen übernommen. Die überwältigende Mehrheit meiner Gedanken sind überhaupt nicht meine Gedanken, es sind die Gedanken von Anderen.
Wie kommen wir zum Beispiel darauf, dass Politiker über das Schicksal unseres Landes und über das von uns bestimmen? Wie? Ganz einfach: Wir haben es im Fernsehen gesehen, in der Zeitung gelesen, oder es wurde uns von einem Mitmenschen erzählt. Ohne diese "Quellen" würden wir nie auf den Gedanken kommen, dass Politiker unsere Welt lenken. Wir wüssten nicht einmal etwas von Politikern. Wir würden denken, wir selbst lenken unsere eigene Welt.

Ohne die Informationen um uns herum, die wir aufnehmen, wäre unser Denken über uns und die Welt also völlig anders. Und was sind die Informationen, die auf uns einprasseln anderes, als die Gedanken der Anderen?

Wenn Menschen in den Krieg ziehen, warum tun sie das? Die Antwort der Soldaten wird sein: "Um unser Land zu verteidigen" oder "Für die Freiheit" oder "Weil die Drecksäcke uns fertig machen wollen", oder einfach "Weil wir den Befehl bekommen haben".
Der Soldat nimmt seine Waffe und zieht in den Krieg. Er vollführt Handlungen, tötet Menschen, weil er denkt, dass es getan werden muss. Er DENKT - denkt ER aber selbst?
Er denkt, er tut das Richtige, der einzige Grund aber, warum er so denkt, ist, weil jemand ihm erzählt hat, es SEI das Richtige. Tatsächlich also denkt nicht er, sondern er übernimmt nur Gedanken Anderer. Wenn er selber denken würde, ohne Beeinflussung von außen, käme er vermutlich zu dem Entschluss, dass Töten und Kämpfen unmöglich zu einer friedlichen, besseren Welt führen können.
Und kämpfen wir nicht alle unsere Kriege? Ist das Leben nicht ein einziger Kampf? Um Geld, ums Überleben, um den Arbeitsplatz, die Gesundheit, den Partner, Recht zu bekommen, ...?
Denken wir so? Warum denken wir so? Weil es uns jemand beigebracht hat so zu denken. Wir haben es gelernt, von klein auf. Wir denken die Gedankenwelt Anderer und glauben dabei, wir würden selber denken.
Würden wir wirklich denken, Krebs sei tödlich, wenn wir es nicht ständig erzählt bekämen? Würden wir wirklich denken, die Wirtschaft geht zu Grunde oder brummt, wenn wir es nicht ständig erzählt bekämen? Würden wir an den Teufel glauben, wenn wir nie etwas über ihn gehört hätten? Würden Sie wirklich denken, Hybrid-Autos seien gut für die Umwelt, wenn Sie ein Indianer wären?

Unsere Gedanken und Meinungen fußen allesamt auf den Gedanken und Meinungen von Anderen. Wir haben keine eigene Meinung.
Alles was wir über die Welt zu wissen glauben, ist der Glauben und das "Wissen", welches man uns erzähl hat. Wir wurden informiert. In-Form-iert - in Form gebracht.
Unsere Denkweise -und unsere Meinungen- wurden nicht von uns selbst, sondern von Anderen "entwickelt" und uns regelrecht eingeimpft. Der Soldat würde niemals töten, wenn man es ihm nicht "verklickert" hätte. Der Wähler würde niemals seine Stimme abgeben, wenn man es ihm nicht beigebracht hätte. Usw.

"Bild Dir Deine Meinung!" - ist der Slogan einer großen Zeitung.
Bloß: Wie kann man sich seine eigene Meinung bilden, wenn man durch Gedanken der Zeitung indoktriniert wird? Wie kann man sich seine Meinung bilden, wenn die Meinung, die Stimmung, das Weltbild, schon von der Zeitung und den Medien allgemein vorgegeben werden?
Wie sieht denn meine Meinung aus, wenn ich jeden Tag Zeitung lese und Fernsehen schaue? Sie sieht genau so aus, wie das, was ich gelesen oder gesehen habe! Oder aber sie sieht genau gegenteilig aus, wenn ich in einem anderen Artikel das Gegenteil gelesen habe!
Nur eine eigene Meinung, die hab ich überhaupt nicht.

Die habe ich solange nicht, wie ich auf die Stimmen um mich herum höre. Auf die Medien höre, auf Bekannte, auf die Berater in der Bank, auf Bücher, auf Päpste, auf irgend jemanden.

Solange ich meine Meinung auf In-Form-ationen von "um mich herum" begründe, kann ich mir sicher sein, dass es nicht meine Meinung ist, sondern die Meinung von Anderen.

Eine eigene Meinung, eigene Gedanken, werden wir, (wenn dies überhaupt möglich ist) erst hervorbringen, wenn wir beginnen, nicht mehr auf den Lärm und das Gequatsche um uns herum zu hören, sondern anfangen auf uns selbst zu hören, auf unsere eigene innere Stimme. Und das ist das Herz.

Das Wort Meinungsfreiheit, das in der Welt einen so hohen Stellenwert genießt, kann für uns selbst etwas ganz anderes bedeuten. Es bedeutet die Freiheit, alles was ich höre, lese, gezeigt bekomme, zu hinterfragen, es mir nicht zu eigen zu machen und damit die Freiheit zu haben, die Gedanken und Meinungen um mich herum zu ignorieren.

Es ist letztendlich die Freiheit, KEINE Meinung zu haben - FREI zu sein von Meinungen. Damit wirklich frei zu sein. Frei von dem gedanklichen Einfluss, den die Menschenwelt um mich herum auf mich hat. Denn nichts anderes will sie, als "Bild Dir Deine Meinung".

Eine Meinung zu haben, bedeutet etwas zu tragen: Ich trage eine Meinung mit mir (herum). Wenn ich etwas trage, bin ich belastet. Und wenn der Schmetterling belastet ist, wie kann er da jemals unbeschwert herumflattern?






2. Zitat des Tages
**************************************************


"Alles was Du weißt, weißt Du nur vom Hörensagen."
- Sri Nisargadatta Maharaj




-----------------------------------------------------



Schöne Sommertage wünscht Ihnen

ronny von natur-reich.de









-----------------------------------------------------------------------------------------
Impressum
Herausgeber:
Ronny Franz
Hauptstraße 11
08539 Mehltheuer
Kontakt: info@natur-reich.de

zurück zum Archiv